80. Geburtstag Papst Benedikts XVI.

18.01.2014 2007, Vatikan Keine Kommentare

BenediktZum 80. Geburtstag des Oberhaupts der katholischen Kirche und seines Staatsoberhauptes – Papst Benedikt XVI. – gibt der Vatikan 2007 eine 2-Euro-Gedenkmünze heraus.

„Wir sind Papst!“ – diese Schlagzeile der Bild-Zeitung ist Ausdruck jener Euphorie, die die Wahl des Deutschen Joseph Aloysius Ratzinger zum Papst am 19. April 2005 hierzulande auslöste. Seine Wahl wurde in der Öffentlichkeit als Sensation aufgenommen – erstmals seit 482 Jahren bestieg wieder ein Deutscher den Stuhl Petri. Unter Insidern wurde der vormalige Kardinal Ratzinger jedoch bereits vor der Wahl als einer der Favoriten gehandelt.

Joseph Ratzingers Geburtshaus in Marktl (Oberbayern)Der Wahl zum Pontifex ging ein langes Leben im Dienste der Kirche voraus. Joseph Ratzinger wurde am 16. April 1927 als Sohn eines Gendarmen und einer Köchin im bayerischen Marktl am Inn geboren. Die tief religiöse Familie prägt den jungen Mann, der ein katholisches Internat besucht. In der Nazizeit tritt er zwangsweise in die Hitlerjugend ein, wird später als Flakhelfer und zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet. Das Kriegsende erlebt er in amerikanischer Gefangenschaft.

Unmittelbar nach Kriegsende nimmt Ratzinger ein Theologie- und Philosophiestudium in Freising und München auf. 1951 wird er – gemeinsam mit seinem Bruder Georg – zum Priester geweiht. Den Dienst in der Gemeinde versieht er jedoch nur kurze Zeit. Er entscheidet sich für eine akademische Laufbahn, die er 1952 als Dozent im Erzbischöflichen Klerikalseminar in Freising beginnt. Es folgen Promotion und Habilitation und schließlich die Berufung zum Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Universität Freising. Weitere Stationen seiner akademischen Karriere sind Bonn, Münster, Tübingen – hier erlebt er die Studentenrevolte 1968 – und schließlich Regensburg.

Kardinal Ratzinger (2. v. r.) mit Papst Johannes Paul II. (r.) im Jahr 20111977 wird Joseph Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising und im gleichen Jahr zum Kardinal ernannt. So nimmt er 1978 an der Wahl Papst Johannes Paul I. teil. Hier trifft er erstmals den polnischen Kardinal Karol Wojtyla – eine für Ratzinger schicksalhafte Begegnung. Denn als der Papst überraschend nach nur 33 Tagen stirbt, folgt ihm eben jener Karol Wojtyla als Johannes Paul II. nach. Drei Jahre später wechselt Ratzinger als Kurienkardinal nach Rom, wo sich ein enges Vertrauensverhältnis und eine Freundschaft zum Papst entwickelt. Als Präfekt der Glaubenskongregation ist er für den Schutz der „Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche“ zuständig. Seine konservative Haltung führt zu Konflikten mit liberaleren Theologen und bringt ihm – besonders in der deutschen Medienöffentlichkeit – den Ruf eines „Hardliners“ und scharfe Kritik ein.

Papst Benedikt XVI. 2007Krankheit und Tod Papst Johannes Paul II. zeichnen 2005 Ratzingers Rolle als Nachfolger vor. So zelebriert er für den erkrankten Papst die Ostermesse und schließlich auch die Totenmesse zu dessen Ehren. Außerdem leitet er das Konklave, das ihn am 19. April 2005 zum neuen Papst wählt. Als Oberhaupt der katholischen Christenheit nimmt er den Namen Benedikt XVI. an. Im August besucht er den Weltjugendtag in Köln, wo er von den angereisten Jugendlichen frenetisch mit rhythmischen „Benedetto“-Rufen gefeiert wird.

Der aus dem konfessionell gespaltenen Deutschland stammende Papst setzte sich in seiner Amtszeit für die ökumenische Verständigung ein. Ein Highlight war hier etwa der gemeinsame Gottesdienst mit der lutherischen Gemeinde in Rom. Überschattet wurde Benedikts Pontifikat von Missbrauchsskandalen in mehreren Ländern, in denen katholische Geistliche sich an Kindern vergangen hatten. Höchstumstritten war sein Bestreben, eine Annhäherung zwischen der erzkonservativen Piusbruderschaft und der Kirche zu erreichen. So hob er auch die Exkommunikation des Piusbruders und Holocaustleugners Richard Williamson auf, wofür er harsche Kritik erntete.

Kloster Mater Ecclesiae - Altersruhesitz des emeritierten PapstesEs mag den Akademiker Ratzinger nicht sonderlich freuen, jedoch wird er wohl weniger durch sein theologisches Werk, seine Predigten, Reden und Enzykliken in Erinnerung bleiben. Für viel mehr Aufmerksamkeit sorgte seine Ankündigung, zurücktreten zu wollen. Als erster Papst der Neuzeit schied er so am 28. Februar 2013 nicht durch den Tod aus dem Amt, sondern zog sich bei Lebzeiten zurück. Als Grund nannte er gesundheitliche Probleme, ihm fehle „die Kraft zum Regieren“. Am 2. Mai 2013 bezog der nunmehr emeritierte Papst Benedikt eine Wohnung im eigens dafür umgebauten Kloster Mater Ecclesiae. Es liegt auf dem Territorium der Vatikanstadt und damit nur wenige Meter vom Amtssitz seines Nachfolgers Papst Franziskus entfernt.

Das Motiv

Die 2-Euro-Sondermünze zeigt Papst Benedikt XVI. im Profil, nach links blickend. Links neben dem Bild befindet sich das Zeichen „R“ der Münzprägestätte Rom und darunter das Ausgabejahr „2007“. Im Halbrund parallel zum Münzrand befindet sich links der italienische Name des Ausgabelandes „CITTÀ DEL VATICANO“, sowie rechts in lateinischer Schrift der Hinweis auf den 80. Geburtstag des Abgebildeten als Ausgabeanlass: „BENEDICTI XVI P.M. AETATIS ANNO LXXX“. Die Gedenkmünze erschien am 23. Oktober 2007 mit einer Auflage von 100.000 Stück.

Quellen: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, tagesschau.de

Bildquellennachweis: Wikimedia Commons: Alexander Z. (Geburtshaus in Marktl), L Manila Cathedral Basilica, Fabio Pozzebom/ABr (Papst Benedikt XVI. 2007), Binter (Kloster Mater Ecclesiae)

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