100 Jahre Frauenwahlrecht in Finnland

11.08.2013 2006, Finnland Keine Kommentare

2-Euro-Gedenkmünze 100 Jahre Frauenwahlrecht in FinnlandFinnland widmete 2006 eine 2-Euro-Sondermünze dem 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts. Das nordeuropäische Land war damit ein Vorreiter bei der Gewährung gleicher politischer Rechte für Frauen und Männer.

Nicht ohne Grund wurde das 20. Jahrhundert rückblickend manchmal als das „Jahrhundert der Frauen“ bezeichnet. Schließlich hat die Gleichberechtigung der Geschlechter niemals zuvor solch große Fortschritte gemacht wie in jenen 100 Jahren. Am Beginn dieses Jahrhunderts stand der Kampf für das Frauenwahlrecht, der nun zum Sieg geführt werden sollte. Die französische Revolution von 1789 als die Mutter aller Demokratisierungs- und Emanzipationsbewegungen in Europa brachte mit der Frauenrechtlerin Olympe de Gouges die erste Kämpferin für das Frauenwahlrecht hervor. Mehr als ein Jahrhundert danach waren die sogenannten Suffragetten, die Frauenrechtlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts, schließlich am Ziel. Das Wahlrecht für die Frau wurde in den meisten europäischen Ländern durchgesetzt.

Miina Sillanpää - eine der ersten Frauen im ParlamentUnd Finnland spielte dabei eine Vorreiterrolle. Noch im „Großfürstentum Finnland“, das Teil des russischen Zarenreichs war, wurde 1906 das Frauenwahlrecht eingeführt. Finnland war damit die erste Region in Europa, in dem Frauen gleiche politische Rechte auf nationaler Ebene gewährt wurden. Der Kampf für ein allgemeines, beide Geschlechter einschließendes Wahlrecht war in Finnland, wie auch in anderen europäischen Nationen, eingebettet in den Kampf für die nationale Unabhängigkeit. Mit einem von den Sozialdemokraten organisierten Generalstreik forderten die Finnen 1905 neben dem Wahlrecht auch die Auflösung der kaiserlichen Regierungsbehörde, die Abschaffung der Zensur, ein Ende der von der zaristischen Regierung betriebenen Russifizierungspolitik und die Wiederherstellung der 1899 faktisch aufgehobenen Autonomie Finnlands.

Das vom verlorenen Krieg mit Japan und der Revolution von 1905 geschwächte Russland war zu Zugeständnissen bereit. Eines davon war die Einrichtung eines auf Grundlage von allgemeinen Wahlen gebildeten Parlaments. Dieses trat im März 1907 erstmals zusammen. 19 der 200 Abgeordneten waren Frauen. Die bekannteste dieser Pionierinnen war die Sozialdemokratin Miina Sillanpää (1866-1952, Bild rechts). Die Kleinbauerntochter und ehemalige Dienstmagd wurde 1926 die erste Ministerin des nun bereits unabhängigen Finnlands.

Staatspräsidentin Tarja HalonenWas die Besetzung politischer Ämter durch Frauen angeht, war Finnland 2003 übrigens erneut Vorreiter: als erster europäischer Staat wurde es mit Tarja Halonen (links) als Staatspräsidentin und Anneli Jäätteenmäki als Ministerpräsidentin von zwei Frauen regiert.

Das Motiv

Die Münze zeigt zwei Gesichter, die die beiden Geschlechter repräsentieren – eines im linken oberen Viertel, das andere – auf dem Kopf stehend – im rechten unteren Viertel. Links unten ist das Datum der Einführung des Frauenwahlrechts zu lesen: „1.10.1906“, rechts oben das Jahr der Ausgabe, unterbrochen von der Landeskennung für Finnland: „20FI06“. Die von Pertti Mäkinen entworfene Münze erschien am 4. Oktober 2006 in einer Auflage von 2,5 Millionen Exemplaren.

Bildnachweis: Tarja Halonen von Stockholm Environment Institute (SEI)

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