Vertrag über eine Verfassung für Europa

13.07.2013 2005, Italien Keine Kommentare

Europäische VerfassungIn gewisser Weise tragisch ist die Ausgabe Italiens zum Thema Verfassung für Europa. Der Vertrag über eine Verfassung für Europa war ein Jahr zuvor unterzeichnet worden. Bekanntlich ist er jedoch nie in Kraft getreten.

Der Verfassungsvertrag wurde ab 2003 von einem Europäischen Konvent erarbeitet und schließlich am 29. Oktober 2004 in Rom unterzeichnet. Italien hatte zu diesem Zeitpunkt die Ratspräsidentschaft der EU inne. Ferner bot sich die italienische Hauptstadt für die Zeremonie an, da man so an die Römischen Verträge anknüpfen konnte, mit denen 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die Vorgängerorganisation der EU, gegründet worden war.

Saal in den Kapitolinischen Museen - Ort der VertragsunterzeichnungDas Verfassungsprojekt stand wesentlich in Zusammenhang mit der  Osterweiterung der EU im Jahr 2004. Um die Staatengemeinschaft auch mit 25 Mitgliedsstaaten handlungsfähig zu erhalten, sollten die Veto-Möglichkeiten der einzelnen Mitglieder beschränkt werden. Außerdem machten sich die Verfassungsväter an ein ständig bemängeltes Defizit der EU: den Mangel an Demokratie. Eine Stärkung des Europäischen Parlaments sollte hier Besserung bringen.

Nach der Unterzeichnung in den Kapitolinischen Museen in Rom (siehe Bild rechts) musste der Vertrag noch von jedem einzelnen der 25 Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, bevor die Verfassung in Kraft treten konnte. Nachdem 9 Länder diesen Schritt bereits vollzogen hatten, kam der Schock: Bei den Volksabstimmungen in Frankreich am 29. Mai und den Niederlanden am 1. Juni 2005 wurde die nötige Stimmenmehrheit für die Annahme des Vertrages verfehlt. Das Projekt einer Verfassung für Europa wurde schließlich begraben. Viele der angestrebten Änderungen wurden mit dem Vertrag von Lissabon umgesetzt, der 2007 beschlossen und danach auch von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde.

Europa und Zeus auf einem antiken GefäßDas Motiv

Die Münze zeigt die Namensgeberin des Kontinents – die griechische Sagengestalt Europa – zusammen mit dem Göttervater Zeus in Gestalt eines Stieres. Europa hält die Verfassung sowie eine Schreibfeder in Händen, die wohl die Unterzeichnung symbolisieren soll. Auf dem Kupfernickelring der Münze ist unterhalb der 12 Europasterne der Schriftzug „COSTITUZIONE EUROPEA“, italienisch für „Europäische Verfassung“ zu lesen. Entworfen wurde die Gedenkmünze von der Designerin Maria Carmela Colaneri, deren Initialen am Rand des Messingkerns links unten zu sehen sind. Die Ausgabe erfolgte am 29. Oktober 2005 in einer Auflage von 18 Millionen.

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