75 Jahre Vatikanstaat

06.07.2013 2004, Vatikan Keine Kommentare

2-Euro-Gedenkmünze_Vatikan_2004Zwar ist der Vatikan selbst nicht Mitglied der Eurogruppe, jedoch durch seine Währungsunion mit Italien – ebenso wie San Marino – Teil der Eurozone. Das Recht eigene Münzen zu prägen hat sich der katholische Zwergstaat aus der vergangenen Lira-Epoche ins Eurozeitalter hinübergerettet.

Seine erste 2-Euro-Gedenkmünze widmet der Vatikanstaat dem 75. Jubiläum seines Bestehens.  Angesichts der über 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche erscheint ein Dreivierteljahrhundert als ein unwirklich kurzer Zeitraum. Geschuldet ist diese „Jugend“ des Vatikanstaats jedoch der stürmischen Entstehungsgeschichte der italienischen Nation.

Bis 1870 war der Einflussbereich des Papstes als weltlicher Herrscher nämlich weit größer gewesen als jene winzigen 0,44 qkm, jenseits derer er nur mehr als Oberhaupt einer Konfessionsgemeinschaft wirken kann. Mittelitalien, genauer gesagt die Regionen Latium, Umbrien, Marken und Romagna, bildete damals den Kirchenstaat, der es der Größe nach in etwa mit der Schweiz aufnehmen konnte. Um in Italien überleben zu können war dieser jedoch immer wieder auf die Hilfe katholischer Verbündeter wie Frankreich und Spanien angewiesen.

In jenem Moment, in dem diese nicht mehr zur Stelle waren, nutzten die Italiener ihre Chance, einen geeinten Nationalstaat mit Rom als Hauptstadt zu schaffen. So war die Existenz des Kirchenstaates mit dem Einmarsch italienischer Truppen 1870 faktisch beendet. Eine Einigung über Status und Territorium der päpstlichen Herrschaft konnte mit dem Königreich Italien in der Folge aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen nicht erreicht werden. Der päpstliche Staatsapparat zog sich so auf das Territorium des heutigen Vatikanstaats zurück. In den folgenden Jahren der Unklarheit schottete man sich immer mehr gegenüber dem Rest der Stadt Rom ab.

Erst die Lateranverträge zwischen der Kirche und dem faschistischen Mussolini-Regime schrieben 1929 den Status der Vatikanstadt als unabhängigem Staat fest und definierten dessen Grenzen. Eine dem Vertrag beigefügte Karte (siehe Bild) schaffte diesbezüglich Klarheit. Im Gegenzug für die gewährte staatliche Souveränität verzichtete die Kirche auf die verlorengegangenen Territorien und verpflichtete sich außerdem, in internationalen Angelegenheiten nicht parteiisch, sondern nur schlichtend aufzutreten. Die Unterzeichnung nach dreimonatigen Verhandlungen bildet die Geburtsstunde des Vatikanstaats in seiner heutigen Form.

Karte des Vatikan aus dem Anhang der LateranverträgeDas Motiv

Passend zum Hauptaspekt der Lateranverträge zeigt die 2-Euro-Gedenkmünze die Umrisse des damals festgeschriebenen Staatsgebiets. Im Vordergrund sieht man Petersdom und Petersplatz als zentrale Elemente des vatikanischen Territoriums. Auf der linken Seite weist der Schriftzug „75° ANNO DELLO STATO” („75. JAHR DES STAATES“) auf das Jubiläum hin, rechts oben verdeutlichen die Jahreszahlen „1929-2004“ die Zeitspanne. Auch hier ist wieder die Prägestätte Rom durch ein „R“ angezeigt. Der Designer Guido Veroi ist mit seinem Nachnamen auf der Münze vertreten, der Graveur mit seinen Initialen „L.D.S. INC.“ Die 2-Euro-Sondermünze erschien in erwartet kleiner Auflage von 85.000 Exemplaren.

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